
Lübeck mit Kindern
Lübeck mit Kindern
Enge Gassen, schiefe Türme und duftendes Marzipan erwarten dich in Lübeck mit Kindern. Du schlängelst dich durch winzige Hinterhöfe, entdeckst Lübeck als Modell im berühmten Holstentor und bewunderst lebensgroße Marzipan-Figuren. In den riesigen Backsteinkirchen und alten Wohnhöfen gibt es für Groß und Klein an jeder Ecke Geschichte zum Anfassen.
📍Lübeck mit Kindern
- UNESCO-Welterbe: Historische Altstadt die kaum in den Kriegen zerstört wurde, zahlreiche schöne Straßenzüge mit wunderbarer Backsteinarchitektur, besonders sehenswert ist das Lübecker Rathaus.
- Höfe & Gänge: Viele versteckte, idyllische Höfe sind durch oft extrem kleine Durchgänge frei zugänglich.
- Holstentor Museum: Das Wahrzeichen von Lübeck beherbergt die Ausstellung „Die Macht des Handels“ zur Handelsgeschichte, zum Seehandel mit vielen Schiffsmodellen und zur Stadtgeschichte.
- Lübecker Dom: Beeindruckt mit fast 115 Meter hohen Türmen, dem riesigen hölzernen Triumphkreuz, einer mechanischen Monduhr und es gibt sogar eine Kinderspielecke.
- Niederegger Marzipan-Stammhaus: Kostenloses Marzipan-Museum, gemütliches Café mit großer Auswahl an leckeren Torten und Verkaufsgeschäft.
- Heiligen-Geist-Hospital: Eine der ältesten Sozialeinrichtungen Europas (von 1286); wunderschöne Kirchenhalle und historische Holz-Wohnkabinen, die bis 1970 genutzt wurden.
Unser Ausflug nach Lübeck mit Kindern


Wir waren in unserem Familienurlaub an der Ostsee für einen Tag in Lübeck mit Kindern und haben uns die Stadt angeschaut. Die eigentliche Sehenswürdigkeit ist dabei die Altstadt. Ein großer Teil davon ist seit 1987 UNESCO-Welterbe. Und das zu Recht, denn nur etwa 20 % wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Somit sieht man in großen Teilen noch die wunderschönen alten Backsteinhäuser mit den besonderen hanseatischen Giebelhäusern. Die hohen Giebel sind oft treppenförmig angelegt, was sie besonders beeindruckend macht. Dort, wo heute die Haupteinkaufsstraße ist – die Breite Straße –, wurden einige Häuser zerstört.
Und so findet man die schönsten Ecken von Lübeck eher in den Neben- und Seitenstraßen. Eines der prächtigsten Häuser ist sicher das Lübecker Rathaus. Das Haus besteht eigentlich aus mehreren Giebelhäusern, auffällig sind unter anderem der Schaugiebel und die filigranen Fassadenelemente. Aber auch sonst kannst du in den Straßen viele sehr schöne Häuser entdecken. Wir haben uns einfach durch die Stadt treiben lassen und dabei in unserem Familienurlaub noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit angeschaut.
Gänge und Höfe Lübeck
Lübeck ist bekannt für seine Gänge und Höfe. Im Mittelalter wuchs die Bevölkerung in Lübeck rasant, aber der Platz in der Stadt war begrenzt. Und so wurden in vielen Hinterhöfen kleine Häuschen und Buden gebaut, um diese an Arbeiter oder Tagelöhner zu vermieten. Der Zugang erfolgte oft durch einen Durchbruch durch die Wand des Vorderhauses. Dieser musste mindestens so breit sein wie ein Sarg. Viele dieser Gänge gibt es heute noch, die Durchgänge sind oft sehr niedrig und man muss gebückt durchgehen. Dahinter liegen dann oft sehr romantische und mittlerweile sehr hübsch sanierte kleine Gassen und Höfe.




Sehr idyllisch fanden wir etwa den Behrendshof mit der kleinen Vereinsstraße (Zugang Stavenstraße 27), den Dunkelgrünen und den Hellgrünen Gang (Engelswisch 26), den Durchgang (Aegidienstraße 45) oder den Klandsgang (Hartengrube 52). Aber wenn man die Augen offen hält, findet man zahlreiche Gänge. Bitte beim Durchgehen Rücksicht auf die Bewohner nehmen, da man sehr nah an deren Wohnungen vorbeigeht!
Holstentor
Es ist DAS Wahrzeichen von Lübeck: das berühmte Holstentor. Einst als ein Tor für die Stadtverteidigung gebaut, war es damals das Mittlere Holstentor. Die anderen Tore und Verteidigungsanlagen gibt es heute nicht mehr. Der Name Holsten leitet sich übrigens von Holstein ab, da das Tor nach Westen, also nach Holstein führt. Was einem sogleich auffällt, wenn man das Tor von außen betrachtet, ist, dass die Türme schiefstehen. Das hat mit dem eher morastigen Untergrund zu tun. Und das Tor sieht von beiden Seiten sehr unterschiedlich aus. Die sogenannte Feldseite zeigt nach außen und hat nur kleine Fenster und Schießscharten. Auf der Stadtseite gibt es prächtige Fenster mit Buntglas. Das Tor hat zwei Türme und einen Mittelbau. Das macht das Gebäude auch von innen interessant.




Museum Holstentor
Im Holstentor gibt es ein Museum mit der Ausstellung „Die Macht des Handels“. Dort kann man nicht nur etwas über die Geschichte des Tores und der Stadt erfahren, sondern man erlebt auch das Tor mitsamt seiner Architektur. Die Themenräume zu den Ausstellungen im Holstentor befinden sich sowohl in den Türmen als auch im Mittelbau und sind miteinander verbunden. In den Türmen gibt es jeweils eine Wendeltreppe. Das fand ich schon ziemlich spannend.
In den Ausstellungsräumen erfährt man, warum Lübeck mit seinen Befestigungsanlagen – zu denen auch das Holstentor gehörte – so schwer einzunehmen war. Und man sieht, wie das Holstentor als Symbol der reichsfreien Hansestadt erbaut wurde. Es geht um den Handel und Seehandel, der Lübeck zu einer der einflussreichsten Städte im Mittelalter gemacht hat, und wie im Mittelalter Recht gesprochen wurde. Dort sieht man ein paar der alten Folterinstrumente. Sehenswert fand ich auch das hölzerne Stadtmodell, wo man noch die alten Verteidigungsanlagen der Stadt sieht.
Einiges in den Themenräumen ist zum Aufklappen oder Herausziehen. Allerdings muss man immer ein bisschen was lesen. So ist ein Besuch mit kleinen Kinder wahrscheinlich nicht ganz so interessant. Doch mit etwas größeren Kindern, die sich vielleicht auch noch für Geschichte interessieren, ist das Museum eine gute Möglichkeit, mehr über das Holstentor und die Geschichte der Stadt als Handelsstadt zu erfahren.
Lübecker Dom



Richtig interessant zum Anschauen ist der Dom in Lübeck (und das sogar ohne Eintritt / Spenden werden erbeten). Die größte Kirche in Lübeck steht ganz im Süden der Altstadt. Riesige Backsteintürme, jahrhundertealte Kunstschätze und eine beeindruckende Ruhe prägen den Lübecker Dom. Als erste große Backsteinkirche an der Ostsee beeindruckt das monumentale Bauwerk von Heinrich dem Löwen mit seinen zwei markanten, knapp 115 Meter hohen Türmen.
Riesiges Triumphkreuz, ein kunstvoller Lettner und eine kunstvolle Monduhr
Schon der erste Anblick des Innenraums ist sehr beeindruckend. Denn gleich fällt der Blick auf das riesige Triumphkreuz. Aus Holz geschnitzt, zeigt es den gekreuzigten Jesus an einem Lebensbaum, umgeben von mehreren großen Figuren wie etwa Maria Magdalena. Dahinter ist ein Lettner zu sehen (ein Lettner ist eigentlich eine feste Wand, die den Chorraum der Geistlichen vom Kirchenschiff der Gemeinde trennt). Hier sollte er einen Gebetsraum für die Domherren abtrennen. Heute steht hinter dem Lettner das kunstvolle, große Taufbecken.
Doch der Lettner selbst ist schon ein tolles Kunstwerk mit feinen Schnitzereien und Figuren. Diese stellen die Patrone des Doms dar: Nikolaus, Maria, Johannes der Täufer und Blasius. Rechts am Lettner gibt es eine wunderschöne Monduhr mit einer großen Sonne in der Mitte. Sie zeigt neben der Zeit auch die Mondphasen an. Jede Viertelstunde wird von einer Pilgerin mit ihrem Pilgerstab gegen eine kleine Glocke geschlagen. Die volle Stunde schlägt der Tod persönlich. Er soll uns an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern, aber auch daran, dass jede Stunde eine geschenkte Lebensstunde ist. Der Tod schlägt ebenfalls an eine kleine Glocke und dreht gleichzeitig eine Sanduhr um.
Geschichte des Doms als Ausstellung
Hinten im Ostchor kann man sich die Geschichte des Doms anschauen. Es geht um seine Erbauung und was damals schon schiefgelaufen ist – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Untergrund war nicht ideal zum Bau eines so großen Bauwerks, weshalb die Türme nicht ganz gerade sind. Gut zu sehen an einem Modell aus dem 3D-Drucker. Man sieht die Zerstörung des Doms im und nach dem Zweiten Weltkrieg und welche Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Türme zu erhalten. Wir waren vom Dom sehr beeindruckt. Man kann sich eine Handyführung herunterladen (per QR-Code) und dann entdeckt man die vielen kleinen Details der Kirche besser. Für Kinder gibt es sogar eine kleine Spiel- und Malecke.
Niederegger Marzipan


Und was wäre Lübeck ohne sein berühmtes Marzipan? Vor über 200 Jahren übernahm Johann Georg Niederegger eine Konditorei in Lübeck. Als cleverer Geschäftsmann und Konditormeister kreierte er unter anderem das leckere Marzipan. Lübeck als Hansestadt trieb Handel mit der ganzen Welt. Und so kam die Mandel als teure Spezialität in die Stadt. Gemahlen, geröstet und mit Zucker vermischt – etwa im Verhältnis 2/3 zu 1/3 – entsteht auch heute noch das Marzipan nach dem alten Grundrezept.
Und das gibt es hier in unzähligen Variationen, etwa mit Cashewnüssen, mit Orangenaroma oder mit Cheesecake-Geschmack. Im Stammhaus Niederegger kannst du das Marzipan auf vielfältige Weise erleben. Wir haben eine kleine Führung druch das Haus bekommen und durften auch einige Marzipan-Spezialitäten probieren. Richtig lecker – neben dem Klassiker haben uns etwa die Geschmacksrichtungen Tiramisu und Cheecake geschmeckt.


Die Marzipanerie
Im Erdgeschoss befindet sich die Marzipanerie. Es ist das Ladenlokal. Hier kannst du dir in Ruhe die vielen Sorten anschauen. Neben Marzipan gibt es auch Schokoladenspezialitäten. Und zwischen den ganzen Leckereien stehen auch immer wieder Kunstwerke. Die sind ganz aus Marzipan geschaffen und lassen einen staunen. Bei uns stand hier das Holstentor im Schaufenster und im Verkaufsraum war ein Schiff zu bewundern. Beide sind ganz aus Marzipan und in hunderten Stunden kunstvoll gefertigt.
Der Marzipan-Salon

Eine Etage höher ist das Café, auch der Marzipan-Salon genannt. Hier kann man sich eine der köstlichen Torten aus der Theke aussuchen oder auch Kaffeespezialitäten mit Marzipangeschmack probieren. Wir haben hier die leckere, klassische Marzipantorte des Hauses gekostet. Eine Torte mit Mürbeteigboden, einer Haselnusscreme und einer Marzipandecke. Sehr gut und gar nicht so schwer, wie sie klingt. Das Café ist im klassischen Kaffeehausstil gehalten mit Blick auf das gegenüberliegende Rathaus. Genauso muss ein Café sein! Neben Torten gibt es hier auch Herzhaftes oder so gute Sachen wie Marzipanwaffeln oder Eierpfannkuchen mit Marzipaneis.
Das Marzipan-Museum

Und du solltest unbedingt auch noch in den 2. Stock hinauf. Dort ist das Marzipan-Museum. Der Eintritt ist frei und während der Öffnungszeiten des Geschäfts immer zugänglich. Hier erfährst du mehr zur Geschichte des Marzipans und wie es nach Lübeck kam. Und du kannst die großartigen Marzipanskulpturen bewundern. Das Herzstück sind dabei 12 Persönlichkeiten, die mit dem Haus Niederegger in Verbindung stehen. So etwa Thomas Mann, der das Marzipan in seinem Roman „Die Buddenbrooks“ erwähnt hat. Oder Wolfgang Joop – der Designer –, der mal ein Parfum mit Marzipanduft kreiert hat. Und natürlich Johann Georg Niederegger selbst in der Mitte. Und zum Schluss gibt’s noch ein paar Fakten über Niederegger Marzipan, die uns wirklich überrascht haben:
Wusstest du…
- dass in der Weihnachtszeit ca. 300 Tonnen Marzipan täglich in der Fabrik Niederegger hergestellt werden?
- dass jeden Tag etwa 100 Niederegger Nuss-Marzipan-Torten gebacken und verkauft werden?
- dass jedes Jahr eine neue besondere Sorte hergestellt wird, die es nur ein Jahr lang gibt?
Heiligen-Geist-Hospital




Einen Besuch wert ist auch das Heiligen-Geist-Hospital. Es ist eine ganz besondere Einrichtung und zählt zu den ältesten erhaltenen Sozialeinrichtungen Europas. Wenn du eintrittst, siehst du zuerst die große, lichtdurchflutete Kirchenhalle. Hier finden heutzutage keine Gottesdienste mehr statt, weshalb der Raum keine Stühle oder Bänke mehr hat. Beeindruckend sind das kunstvoll bemalte Gewölbe und die Wandmalereien. Sehr speziell sind die kleinen hölzernen Wohnkabinen im anschließenden Langhaus. Gegründet wurde das Hospital im Jahr 1286, um alte, kranke und bedürftige Menschen zu versorgen, die sich nicht mehr selbst helfen konnten. Finanziert wurde die Einrichtung durch wohlhabende Lübecker Kaufleute und Stiftungen.
Die Bewohner erhielten hier Unterkunft, Essen und medizinische Versorgung, mussten sich aber an einen festen Tagesablauf halten. Gebete gehörten ebenso zum Alltag wie gemeinsame Mahlzeiten und einfache Arbeiten, soweit die Gesundheit es zuließ. Die schmalen Schlafkabinen boten nur wenig Privatsphäre. Bis 1970 lebten tatsächlich ältere Menschen in den Kabinen, die auch nur ungern in das neu errichtete Seniorenheim umzogen. Wir fanden das sehr spannend!
Fazit – So hat uns Lübeck gefallen
Uns hat die Stadt gut gefallen. In ein paar Stunden kann man die Stadt ganz gut anschauen. Da wir in Österreich wohnen, sind für uns die vielen Backsteinfassaden beeindruckend und völlig anders als in Städten in Süddeutschland oder Österreich. Wir fanden es lohnenswert, durch die vielen kleinen Nebenstraßen zu schlendern. So haben wir wirklich einige sehr schöne Straßen entdeckt. Ein besonderes Erlebnis sind auch die kleinen Durchgänge zu den Höfen. Manchmal fallen sie kaum auf und man denkt nicht, dass sie irgendwo hinführen. Es ist jedes Mal ein kleines Abenteuer, wie der Hof dahinter wohl ist. Richtig beeindruckt waren wir vom Lübecker Dom mit seiner besonderen Einrichtung und den großen Dimensionen. Und ein Highlight war der Besuch bei Niederegger Marzipan. Marzipan in so vielen Variationen, eine interessante Geschichte und sehr beeindruckende Marzipan-Kunstwerke – unbedingt vorbeischauen und richtig gutes Marzipan probieren!
Wenn dir das hier für einen Familienurlaub in Deutschland gefällt, solltest du dir auch einmal die UNESCO Welterbe in Quedlinburg mit Kindern und in Coburg mit Kindern anschauen. Ansonsten haben wir hier noch über 100 weitere Ideen für deinen Familienurlaub Deutschland.