
Skuodas
Darum geht es auf dieser Seite:
Skuodas mit Kindern
Im Nordwesten von Litauen wartet die Region Skuodas auf dich und deine Kinder, wo ihr spannende Zeitreisen ins Mittelalter erlebt, die verrückte Sportart Motoball anfeuern könnt und ganz authentisch Land und Leute kennenlernt. Von eiszeitlichen Felsbrocken im Steingarten bis zu wilden Mufflons in der litauischen Tundra – wir nehmen euch mit zu den schönsten Orten rund um Skuodas.
📍Skuodas mit Kindern
- Apuolė-Hügel: Die älteste schriftlich erwähnte Siedlung Litauens lädt zum Entdecken ein. Im August lockt hier ein großes Mittelalterfest mit Ritterkämpfen und Handwerkerständen.
- Samogitische Küche: Im Restaurant „Gintagnė“ probierst du lokale Spezialitäten wie kalte Rote-Beete-Suppe, frittierte Brotsticks mit Käse oder traditionelle Sauerrahmbutter mit Kartoffeln.
- Skuodas-Museum: Hier taucht man mit VR-Brillen in die Geschichte des alten kurischen Forts ein,bestaunt typisch litauische Holzfiguren und lernt mehr über die samogitische Kultur.
- Action beim Motoball: Eine extrem populäre Sportart in Skuodas, bei der zwei Teams auf Motocrossrädern spielen – laut, wild und faszinierend zu beobachten.
- Skuodas Beach & Stadtpark: Ein toller Badesee mit Sandstrand, Piratenspielplatz und Beachvolleyballfeld. Direkt nebenan liegt der riesige Stadtpark mit einer wackeligen Hängebrücke über den Fluss.
- Mosėdis – Die Stadt der Steine: Hier dreht sich alles um Felsen und Stein. Der Vaclovas-Intas-Steingarten und das zugehörige Steinmuseum zeigen gigantische Steine der Eiszeit und im Dunkeln leuchtende UV-Mineralien.
- Historisches Museum zum kurischen Volk: Ein Museum über die „baltischen Wikinger“.
- Šauklių riedulynas (Litauische Tundra): Ein einzigartiger, zwei Kilometer langer Rundweg über Metallstege durch eine Tundralandschaft, in der wilde Mufflons leben.
- Übernachten im Gästehaus „Balta Varna“: Ein familienfreundlicher Hof bei Mosėdis mit eigener Bäckerei, wo die Gastgeberfamilie für euch kocht – inklusive überraschend leckerem Brennnessel-Eis als Nachtisch.
- Skuodas-Stadtfest & Sommerfestivals: Am ersten Juni-Wochenende zieht eine große Parade durch die Straßen, gefolgt von einem Festival mit Hüpfburgen, regionalen Tänzen und Popmusik. Im Sommer feiern die Einheimischen die kurzen, warmen Monate mit vielen Veranstaltungen.
Unsere Erlebnisse in der Region Skuodas
Die Region Skuodas ist touristisch noch nicht so sehr erschlossen und daher ein echter Geheimtipp, wenn man das Land authentisch kennenlernen will. Wir waren ein paar Tage als Familie in der Region unterwegs. Dabei haben wir viel über die Kultur und das Leben der Menschen erfahren dürfen, haben einige ungewöhnliche Orte entdeckt und spannende Erfahrungen gemacht. Außerdem haben wir sehr sehr viele Störche gesehen:


Hier gibt es extrem viele Störche. Fast an jedem zweiten Haus haben wir ein Storchennest gesehen. Der Storch ist auch das inoffizielle Nationaltier Litauens. Er gilt als Glücksbringer und Frühlingsbote. Viele Störche verbringen in Litauen ihren Sommer, bevor es im Herbst wieder nach Süden geht. Litauen hat ca. 17.000 Stöchennester und rund 60.000 Störche!
Hier auf der Karte habe ich dir alle unsere Erlebnisse und Sehenswürdigkeiten eingezeichnet:
Apuolė-Hügel
Wo fand Litauen seinen Anfang? Der Hügel Apuolė ist die erste urkundlich erwähnte Siedlung auf litauischem Gebiet, die schriftlich festgehalten ist. Auf dem Hügel fand im Jahr 853 eine Schlacht zwischen den Schweden und dem Kurischen Volk statt. Die Schlacht dauerte etwa 8 Tage, bis die Kuren ein Lösegeld anboten und sich von der Belagerung freikauften. Heute sieht man nicht mehr viel von der alten Festungsanlage, die einmal hier stand. Aber man kann sich gut vorstellen, wie groß das Fort auf dem ebenen Platz war. Zwischen den beiden Weltkriegen fanden Archäologen hier jede Menge Fundstücke; einige dieser archäologischen Funde kann man im Skuodas-Museum anschauen (dazu weiter unten mehr).
Jeden Sommer im August findet auf dem Apuolė-Hügel ein großes Mittelalterfest statt. Es gibt mittelalterliche Stände mit Handwerk, Kampfvorführungen, Essen und man kann in das mittelalterliche Leben der Kuren eintauchen. Es ist jedes Jahr ein großes Spektakel, das viele Menschen anzieht. Wir haben einen kleinen, geführten Spaziergang auf dem Hügel gemacht, wo uns die Geschichte des Platzes erklärt wurde.



Samogitische Küche im Restaurant „Gintagnė“
Will man ein Land richtig kennenlernen, gehört auch das lokale Essen dazu. Richtig gut samogitisch essen, das kannst du im Restaurant „Gintagnė“ in Aleksandrija (nur wenige Kilometer vom Apuolė-Hügel entfernt). Die samogitische Kultur ist hier im Nordwesten von Litauen sehr lebendig, sie hat sich aus der alten Kurischen Kultur heraus entwickelt. Neben einer eigenen Sprache gibt es eigene Bräuche, Trachten und kulinarische Spezialitäten. Viele davon sind mittlerweile in ganz Litauen verbreitet. Wir hatten als Vorspeise frittierte Brotsticks mit Käse (Litauisch: Kepta Duona), die bekommt man in fast jedem Restaurant und schon allein daran könnte man sich satt essen.



Anschließend gab es die ebenfalls in Litauen sehr beliebte kalte Rote-Beete-Suppe. Sie wird mit Kefir, Rote-Beete-Streifen, Gurkenstreifen und Dill zubereitet. Und es schwimmt immer ein Stück gekochtes Ei in dieser erfrischenden und sehr leckeren Suppe. Außerdem hatten wir eine gute Fischsuppe zum Probieren. In dieser Region sehr speziell gibt es auch eine Art Sauerrahmbutter, sie wird mit Knoblauch und Kümmel zubereitet und mit Kartoffeln serviert. Ein Mädchen soll erst heiraten, wenn es diese Butter zubereiten kann.
Eigentlich waren wir nach diesen ganzen guten Sachen schon satt, aber es kam noch ein Hauptgang: eine Art Hackfleischpflanzerl mit Kartoffeln, die ebenfalls ausgezeichnet geschmeckt haben. Zum Trinken konnten wir das heimische Bier kosten und Gira. Das ist ein ganz leicht vergorenes Getränk (1 % Alkohol) aus Roggenbrot. Es schmeckt eher süßlich und am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber doch ziemlich gut. Das Essen in diesem Restaurant war wirklich hervorragend und ist sehr empfehlenswert.
Skuodas-Museum



Das Museum in Skuodas ist klein. Hier lernten wir die Region Skuodas und die Kultur noch besser kennen. Als Erstes schauten wir einen Film über den Apuolė-Hügel mit VR-Brillen. Wir bekamen einen sehr spannenden Einblick, wie das Fort und die Umgebung früher ausgesehen haben und die kurischen Bewohner dort lebten. In den Museumsräumen konnten wir zudem die archäologischen Fundstücke von dort anschauen. Mit dem Hintergrundwissen zu der Schlacht um Apuolė ist das natürlich interessant. Im nächsten Ausstellungsraum gab es geschnitzte Volkskunstwerke. In Litauen wird sehr gerne Kunst aus Holz gemacht. Egal wo wir unterwegs waren, haben wir oft am Straßenrand oder als Wegweiser große Holzfiguren gesehen.
Am spannendsten fand ich den Ausstellungsraum über das samogitische Leben und die Kultur. Diese hat sich aus dem Volk der Kuren heraus entwickelt. Hier haben wir Trachten, Einrichtungsgegenstände und Handwerkszeug gesehen. Zudem gibt es im Museum auch wechselnde Ausstellungen von heimischen Künstlern und einen kleinen Raum über den Motoball-Sport – was das ist? Hier gleich mehr dazu.
Motoball in Skuodas



Motoball – noch nie gehört? Dann ab nach Skuodas! Speziell in Skuodas lieben die Menschen diese Sportart. Motoball wird auf einem Feld gespielt, ähnlich wie ein Fußballfeld, allerdings braucht es einen festen Untergrund (Asphalt). Denn hier wird auf Motocrossrädern gefahren. Gespielt wird 4 gegen 4 plus jeweils ein Torwart. Die Motocrossräder haben spezielle Metallkonstruktionen, sodass man den Ball zwischen seinem Fuß und dem Motocrossrad einklemmen kann. So wird der Ball über das Feld gebracht.
Gespielt wird vier mal eine Viertelstunde. Das Spiel ist natürlich laut, aber ansonsten hat es in meinen Augen einen fairen Spielverlauf. Die Spieler versuchen natürlich sich gegenseitig zu blocken und davon abzuhalten, zu nah an das gegnerische Tor zu kommen. Bevor der Ball über die Mittellinie gespielt werden darf, muss erst einmal gepasst werden. Natürlich gibt es noch weitere Regeln, aber im Großen und Ganzen geht es natürlich darum, Tore zu schießen.
Und das ist gar nicht so einfach. Denn es gehört schon einiges an Kraft und Erfahrung dazu, den Ball von der Motocrossmaschine aus Richtung Tor zu schießen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mir das Spiel gefällt, denn es ist wirklich laut und die Maschinen stinken natürlich auch. Aber es war spannend anzuschauen und eine sehr interessante und neue Erfahrung. In den Sommermonaten finden in Skuodas häufig Spiele an den Wochenenden statt – eine gute Gelegenheit, um sich diesen Sport mal anzuschauen.
Skuodas Beach

Auf der Suche nach einem ruhigen und entspannten Plätzchen? Dann ab an den Skuodas Beach. Am südwestlichen Ende des Stadtparks von Skuodas kann man echtes Strandfeeling erleben. Hier wurde wirklich an alles gedacht, damit man eine angenehme Zeit hat. Der Fluss staut sich hier an einem Wehr und so ist ein See entstanden. Am Ufer gibt es einen kleinen Sandstrand, Liegen, überdachte Plätze, Umkleiden, Toiletten und sogar einen Einstieg ins Wasser für Rollstuhlfahrer. Über einen Holzsteg kommt man gut ins Wasser. Oben auf der Wiese gibt es einen großen Spielplatz mit Piratenschiff, einen Beachvolleyballplatz und Fitnessgeräte. Du kannst im Sommer hier baden, SUP fahren, dir Kajaks ausleihen oder einfach nur relaxen.
Stadt Skuodas mit dem großen Stadtpark




Die Stadt Skuodas nicht nicht besonders groß. Bei einem kleinen Spaziergang kann man sie gut erkunden. Es gibt eine schöne Kirche, einen kleinen Stadtplatz, das oben gezeigte Museum oder auch eine öffentliche Bibliothek, die jeder besuchen kann. In der modernen Kinderabteilung kann man z.B. Spiele leihen (Tipp für Regentage). Sehenswert ist auch die alte evagelische Kirche. Diese wird gerade umgebaut und dort wird in Zukunft das Tourismusbüro untergebracht sein.
Der Stadtpark in Skuodas ist wirklich riesig für die eher kleine Stadt. Hier kann man wunderbar spazieren gehen, spielen oder Sport machen. Quer durch den Park schlängelt sich der kleine Fluss. Es gibt Spielplätze, Freiluftschach und auch einen Discgolf-Parcours. Discgolf wird mit Scheiben gespielt, ähnlich wie Frisbee. Man versucht, einzelne Körbe zu treffen, die man nacheinander abgeht. Das Coolste im Stadtpark ist wahrscheinlich die Hängebrücke, die hier auch als Affenbrücke bezeichnet wird. Die wackelige kleine Brücke führt über den Fluss auf eine der kleinen Inseln.
Skuodas-Stadtfest

Ein ganz besonderes Erlebnis war für uns das Stadtfest in Skuodas, das immer am ersten Wochenende im Juni stattfindet. Aus der ganzen Region kommen die Menschen, um hier zu feiern. Das Stadtfest ist eine Mischung aus Traditionen und modernem Festival. Los geht’s mit einer Parade durch die Straßen von Skuodas. Frauen und Männer in ihren Trachten sind ebenso mit dabei wie Sportvereine, Schulkinder und Kindergärten, sogar der Motorradclub fährt langsam mit. Anschließend geht es auf den Sportplatz, der zu einem Festgelände umgestaltet wird, mit vielen Buden zum Essen, einer Hüpfburg für die Kinder und Losständen.
Die Bühne ist der Schauplatz für Musik und Tanz. Dieses Jahr waren auch Gäste aus der Ukraine anwesend, die sich präsentiert haben. Und dann haben die einheimischen samogitischen Heimatvereine ihre Musik und ihre Tänze gezeigt. Anschließend traten noch litauische Pop-Sänger auf, die die Menge mitgerissen haben.
Mir persönlich gefallen die samogitsichen Trachten mit den bunten Röcken gut. Und ich mag es, wenn Menschen stolz ihre Kultur zeigen und Spaß an einem guten Miteinander haben. Bei solchen Festen ist man ganz nah dran am Leben der Menschen und sie bleiben lange in Erinnerung. In Skuodas finden in den Sommermonaten mehrere Feste statt, z. B. gibt es auch ein eigenes Käsefest. Die Menschen feiern die kurzen Sommermonate und genießen es, draußen zu sein.
Mosėdis – Stadt der Steine
Mosėdis liegt etwa 13 Kilometer südlich von Skuodas. Sie wird auch die Stadt der Steine genannt. Wenn man hinfährt, versteht man eigentlich sofort, warum. Überall sieht man kleinere und größere Steine an den Wegrändern, bis hin zu Felsbrocken. Zu verdanken hat der Ort diese Steinsammlung dem Arzt Vaclovas Intas.
Vaclovas Intas Steingarten



Vaclovas Intas war ein beliebter Arzt in Mosėdis und er hat sich sein Leben lang für Steine interessiert. Die Gegend rund um Mosėdis hat einen natürlichen Steinreichtum. Durch die letzte Eiszeit wurden gerade hier sehr viele Steine und Felsen hintransportiert. Vaclovas Intas fand Steine einfach schön und erkannte in ihnen eine Lebendigkeit. Deshalb fing er an, sie zu sammeln. In den 1950er-Jahren hat er seinen privaten Garten für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hier ist Unglaubliches entstanden.
Steine aus der ganzen Sowjetrepublik hat er hierhergebracht. Und nicht etwa kleine Steinchen, sondern meistens große Felsbrocken. Mithilfe von Traktoren oder geliehenen Lastwagen hat er sie transportiert. Seine Familie war oft mit dabei. Neben den Steinen haben sie auch Pflanzen auf ihren vielfältigen Reisen gesammelt.
Und so ist nach und nach ein Garten entstanden. Er ist eine Mischung aus einem botanischen Garten und einem Felsengarten. Die Felsen und Steine sind so ausgestellt, wie Vaclovas sie entdeckt hat, denn er wollte sie so natürlich wie möglich halten. Oft sind die Steine auf eine gewisse Art präsentiert, aber möglichst so, dass es zum jeweiligen Stein passt. Heute kümmern sich sein Sohn und seine Tochter um den Garten. Besucher können einfach eintreten (gegen einen kleinen Eintritt am Eingangstor) und diesen unglaublich faszinierenden Ort bestaunen.
Vaclovas Intas Steinmuseum






Neben seinem Garten hat Vaclovas Intas in Mosėdis auch noch ein Steinmuseum aufgebaut. Denn in seinem Garten hatte er irgendwann keinen Platz mehr, alle seine gesammelten Steine unterzubringen. Zu seiner Zeit war es für die Bauern auch nach und nach möglich, mit modernen Maschinen ihre Felder von den großen Steinbrocken zu befreien, um die Felder besser bewirtschaften zu können. Viele Steine wurden abtransportiert, um im Straßenbau Verwendung zu finden. Doch Vaclovas wollte so viele Steine wie möglich retten.
Das Museum hat zwei Bereiche: ein Museum in den Räumen einer alten Mühle, wo es allgemein um Steine geht, und eine große Parklandschaft, wo die großen Steine dem Park Struktur geben und man sie in Ruhe anschauen kann.
Wir haben eine Führung bekommen, bei der wir wieder einiges Neues erfahren haben. Zum Beispiel gibt es Steine, die mit UV-Licht reagieren. Sie leuchten, wenn sie angestrahlt werden, in grellen Farben. Und Edelsteine kann man daran erkennen, dass sie Licht absorbieren. Glas hingegen lässt Licht durchscheinen. Das sieht sehr interessant aus, wenn das Licht (z.B. von einem Laserpointer) im Inneren des Steins gefangen bleibt.
Im Park kann man nicht nur viele Steine sehen, sondern auch jede Menge Pflanzen, die Vaclovas aus aller Welt hierhergebracht hat. Alles ist viel großzügiger als in seinem Garten, aber die Idee, Steine und Felsen möglichst naturnah zu zeigen, sieht man auch hier wunderbar. Der Park ist richtig groß und lädt dazu ein, entspannt hindurchzuspazieren und die ruhige Atmosphäre zu genießen. Einige der großen Felsbrocken sind an kleinen Stellen abgeschliffen, sodass man hervorragend die eigentliche Struktur der Steine sehen kann. Wir hätten nicht gedacht, dass Steine so vielfältig und interessant sein können!
Essenstipp Mosėdis



Mosėdžio Café
Mitten im Zentrum von Mosėdis gibt es dieses gemütliche Café. Hier kann man wieder perfekt die samogitische Küche probieren. Wir wurden schon die letzten Tage so gut umsorgt, dass der Hunger mittags nicht so groß war. So haben wir uns für Kartoffeln mit Sauerrahmbutter, Hering mit Kartoffeln und einen Burger entschieden. So klein das Gasthaus auch ist, wird hier sehr gut gekocht und man kann auf der Terrasse sitzen mit einem wunderbaren Blick auf den See von Mosėdis.
Historisches Museum zum kurischen Volk



Fast genau gegenüber des privaten Gartens von Vaclovas Intas gibt es ein kleines privates Museum zur Geschichte des kurischen Volkes. In einem Nebengebäude ihres Hauses haben die Besitzer eine Sammlung an historischen Dingen aufgebaut, bei der man in das Leben im Mittelalter eintauchen kann. Irma begrüßte uns in einer kurischen mittelalterlichen Kleidung. Dann erklärte sie uns, wie das Leben damals ausgesehen hat. Das kurische Volk hat viel gemeinsam mit den Wikingern, aber natürlich mit einigen kulturellen Unterschieden. Sie werden deshalb oft als die baltischen Wikinger bezeichnet.
Sie haben wahrscheinlich Raubzüge in andere Länder unternommen und waren gute Seefahrer. Ihre Alltagsgegenstände waren gut verarbeitet, aber ohne allzu aufwendige Verzierungen. Der praktische Nutzen war wichtiger. Dagegen gab es aber einige aufwendige Schmuckstücke und ausgefeilte Waffen wie Speere oder Streitäxte. In dem Museum darf man alles anfassen. Zum Beispiel konnten wir ausprobieren, wie schwer ein Schwert ist oder wie ein Schild hergestellt wurde. Irma weiß extrem gut Bescheid über die Geschichte des kurischen Volkes und über das praktische Leben der Leute.
Das Museum ist aufgeteilt. Auf der einen Seite wird das Leben der Männer dargestellt und auf der anderen Seite das Leben der Frauen. Normalerweise zeigt Irmas Mann Benas das Leben der Männer und Irma zeigt die Ausstellungsstücke der Frauen. Bei unserem Besuch musste Benas arbeiten und so hat Irma uns alles gezeigt, was sie hervorragend gemacht hat. Für uns war es eine perfekte Gelegenheit, mehr über das kurische Volk zu erfahren, das hier gelebt hat. Wenn man das Museum besuchen will, sollte man vorab einen Termin ausmachen, da die beiden nicht immer vor Ort sind (z. B. über Facebook).
Der schönste Baum Europas



Baum des Jahres 2026
Wusstest du, dass in Europa jedes Jahr der schönste Baum Europas gewählt wird? Wir nicht! Dafür durften wir in der Nähe von Mosėdis, im kleinen Ort Rukai, den Baum des Jahres 2026 bewundern. Es ist eine etwa 400 Jahre alte Eiche. Der einzeln stehende Baum ist ziemlich mächtig und wird von der Familie, auf deren Grundstück er steht, gepflegt. Ein kleiner Abstecher lohnt sich!
Šauklių riedulynas – Die litauische Tundra



Šauklių riedulynas ist ein besonderes Landschaftsschutzgebiet in der Nähe von Mosėdis. Es wird auch die litauische Tundra genannt. Die Landschaft unterscheidet sich von den „normalen“ Wäldern in Litauen. Der Untergrund ist, wie in ganz Mosėdis, sehr steinig und felsig. Hauptsächlich wächst in dem Landschaftsschutzgebiet Wacholder. Aber nicht als kleine Büsche, sondern als große Bäume. Wacholder wächst am besten, wenn er keine Konkurrenz hat. Um also fremde Bäume klein zu halten bzw. zu verhindern, dass sie überhaupt wachsen, wurden hier Mufflons angesiedelt. Diese wilden Tiere sind mit den Schafen verwandt und die Männchen haben sehr große, nach hinten gebogene Hörner. Sie leben hier in einem großen eingezäunten Gebiet und fressen die aufkeimenden Bäume und Sträucher weg, die für den Wacholder ungünstig sind.
Die Landschaft ist auch sehr feucht, fast schon ein Moor. Deswegen eignen sich Mufflons hier perfekt, da sie gut damit zurechtkommen. Sie brauchen außerdem viele Steine, um ihre Hufe zu wetzen, und die finden sie hier massenhaft. Wir sind den angelegten Rundweg durch das Gebiet gegangen. Zuerst durch ein Tor, das die Mufflons nicht passieren können. Die Stege sind aus Metall, da die früheren Holzwege immer zu rutschig waren. Der Weg durch diese besondere Landschaft ist richtig schön. Von einem Beobachtungsturm konnten wir gut auf diese einmalige Landschaft schauen. Und wir konnten gerade so noch davonlaufende Mufflons sehen. Die Tiere sind eher scheu und man muss etwas Glück haben, um sie zu sehen.
Der gesamte Rundweg ist gut zwei Kilometer lang, etwa ein Drittel wandert man auf dem Weg über Metallstege, der Rest verläuft über normale Wanderwege. Uns hat es gut gefallen. Die tundraähnliche Landschaft ist sehr einzigartig. Direkt neben dem Rundweg gibt es einen schönen See, wo man im Sommer baden kann, mit Grillplatz und einem Badesteg.
Übernachten in der Region Skuodas – Gästehaus „Balta Varna“







Als Familie kann man in der Region Skuodas gut in den Gästehäusern auf dem Land übernachten. Das neue Gästehaus „Balta Varna“ ist ein ganz besonderer Ort bei Mosėdis. Die Gastgeber haben ein einzigartiges Areal geschaffen. Auf dem großen Grundstück etwas außerhalb des Ortes steht neben ihrem eigenen Haus noch das Gästehaus und eine eigene Bäckerei. Alles haben die beiden Eigentümer Sonata und ihr Ehemann Rimas selbst gebaut, unglaublich. Auf dem großen Grundstück bauen die beiden viel selbst an. Gemüse, Obst und Kräuter wachsen in Hülle und Fülle. Sonata ist nicht nur Bäckerin, sondern begeistert sich für die Natur. Ihr liebstes Kraut sind Brennnesseln. Die wachsen in ihrem Garten nicht einfach wild, sondern sie werden hier richtig angebaut – so wie andere Leute im Garten Karotten pflanzen.
Für Übernachtungsgäste gibt es bei Sonata und Rimas ein spezielles Angebot. Hier soll man nicht nur übernachten, sondern wie bei Freunden zu Gast sein. Deshalb wurden wir am Abend von Sonata bekocht und anschließend haben wir zusammen gegessen. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, gemeinsam am Tisch zu sitzen, sich gegenseitig kennenzulernen und mehr voneinander zu erfahren. Dazu gibt es das hervorragende Essen von Sonata. Und weil sie Brennnesseln so mag, gab es ein Brennnesselmenü. Konnten wir uns erst mal nicht vorstellen, aber es war wirklich gut.
Vorab gab es ein selbst gebackenes Brot mit Brennnesselsamen und hausgemachter Kräuterbutter. Anschließend eine Suppe mit Fleisch, Buchweizen und Brennnesselgemüse. Das schmeckt ein bisschen so wie Spinat- oder Mangoldstängel in der Suppe, sehr dezent. Als Hauptgang gab es für uns Teigtaschen mit Fleisch und einer selbst gemachten Kräutermischung und als krönenden Abschluss wunderbar cremiges Brennnesseleis und süße Kugeln aus Sonnenblumenkernen, Honig und Brennnesseln.
Übernachten kann man im Gästehaus „Balta Varna“ mit eigener Sauna und es soll in Zukunft auch die Möglichkeit geben, auf dem großen Gelände mit Zelten zu übernachten. Wir haben uns hier rundum wohlgefühlt und es war wirklich, als wäre man bei Freunden zu Gast (das Gästehaus ist gut bei Facebook zu finden).
Direkt in Skuodas gibt es ein paar kleinere Unterkünfte, wo man übernachten kann. Eine Möglichkeit ist etwa das „RA dvaras“. Das Herrenhaus richtet oft große Feierlichkeiten aus, wie Hochzeiten oder Geburtstage. Diese kann man im großen Bankettsaal feiern. Zum Übernachten bietet das „RA dvaras“ Mehrbettzimmer an (zu finden ebenfalls über Facebook). Frühstücken und Abendessen kann man dort zwar nicht, aber in Skuodas findest du mehrere Restaurants und Cafés, wo das möglich ist, z. B. „Skuodiškio užeiga“. Hier hatten wir ein kleines Omelett-Frühstück.
Unser Fazit zum Urlaub mit Kindern in Skuodas
Für Familien, die Litauen abseits der bekannten Routen kennenlernen möchten, ist Skuodas ein echter Geheimtipp. Die Region zeigt, dass es nicht immer spektakuläre Attraktionen braucht. Statt großer Freizeitparks oder bekannter Sehenswürdigkeiten erwarten Familien hier spannende Geschichten aus der Zeit der Kuren, ungewöhnliche Ausflugsziele wie Motoball oder der Steingarten von Vaclovas Intas und viele Begegnungen mit Menschen, die ihre Kultur mit viel Herz weitergeben. Genau deswegen wird uns die Region noch lange in Erinnerung bleiben.
Wenn du hier deinen Urlaub verbringen möchtest, findest du auf der offiziellen Webseite der Tourismusregion alle weiteren Informationen:
–> Visit Skuodas
Offenlegung: Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit der Tourismusinformation Skuodas entstanden. Nur so konnten wir euch diesen Beitrag hier zeigen. Unsere Meinung und Erlebnisse bleiben davon unberührt.
Weiterführende Tipps
Wir haben noch andere Orte und Regionen in Litauen besucht. Es war eine sehr spannende Reise mit vielen unglaublich tollen Begengungen, netten Menschen, spannender Kultur und wunderschönen Landschaften. Wenn es dich interessiert, dann lies doch einfach folgende Beiträge:
–> Kretinga mit Kindern
–> Palanga mit Kindern
–> Region Klaipėda mit Kindern
–> Region Šilutė mit Kindern
–> Auf der Kurischen Nehrung mit Kindern
–> Stadt Klaipėda mit Kindern
